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3. dezember

3. tür von tex rubinowitz

3. dezember

Das Ungute

Ich hab einen Mann, der war gar nicht so sehr verwahrlost, auch nicht besonders betrunken, ca 70, auf der Straße liegen sehen, so um 16 Uhr, einer an sich gnädigen Tageszeit, vor einer so genannten Rotlichtbar, wusste gar nicht, dass die auch tagsüber aufhaben, in der Girardigasse, ich bin zu ihm hin, hab ihn gefragt, obs ihm nicht gut ginge, er stöhnte: “Geht schon, Nervenleiden”, ich frage, ob ich ihm aufhelfen und heimbringen soll, er: “Ja bitte”, er wohne da gleich auf der anderen Seite des Naschmarkts, 200 Meter, er legte seinen Arm um meine Schulter und wir gingen unendlich langsam zu seiner Wohnung in der Pressgasse, er stöhnte, irgendwas war mit ihm, aber wie gesagt, betrunken schien er nicht, im Schneckentempo die Treppen rauf, unendlich lange Schlüssel rausgesucht und ins Schloss gesteckt, dann waren wir in der Wohnung, er flehte, ich dürfe seiner Frau auf GAR KEINEN Fall etwas erzählen, was ich nicht erzählen dürfe, sagte er aber nicht, immer nur: BITTE nichts erzählen, ich fragte, wo denn seine Frau sei, er stammelte, dass die Kroatin sei, ich meinte, ich wollte nicht wissen, WER sie sei, sondern WO, aber er ging nicht drauf ein: BITTE nichts erzählen, die ist Kroatin, dann zwischen dem kleinen Flur und der Küche ein kleiner Teppich: BITTE nicht drauf steigen, ich: Wieso? Er: Heben Sie mal hoch, ich hob den Teppich hoch, drunter ein Loch, als ob jemand vorhatte einen Weg in die darunterliegende Wohnung zu graben, BITTE nicht auf den Teppich steigen, ich fragte ihn, wo er hinwolle, Küche? Nein, ins Schlafzimmer, BITTE nichts meiner Frau erzählen, ich bugsierte ihn ins Schlafzimmer, ins Bett, mit Mantel und Schuhen, er ächzte: Bitte gehen Sie jetzt, Sie können jetzt gehen, und ich ging, ich hörte dann noch: “Meine Frau ist Kroatin.“