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9. dezember

9. tür von tex rubinowitz

9. dezember

Das Ungute

Natürlich kann ich mich noch an den ersten Film erinnen, den ich im Kino gesehen habe. Ich ging damals mit Cornelia Röhlke, alle nannte sie Conny, ich glaube wir waren 13 oder 14, miteinander Gehen hieß nichts weiter als miteinander Hand in Hand zu gehen, mehr nicht, aber man war irgendwie “zusammen”, wir gingen Hand in Hand zum Kino (Scala), schauten uns die drei dort angebotenen Filme in den Schaukästen an, wo wir Asyl und Schutz im Dunkeln zu finden hofften, dass das Dunkel uns Antworten anbieten würde, wie wir unser Zusammensein definieren könnten. An zwei Filme erinnere ich mich, den dritten hab ich vergessen, der eine Film, den präferierte Conny, das war “Herbie, der flotte Käfer”, ein Volkswagen, der sprechen konnte und dem allerlei Menschlichkeit innewohnte, auf seinen Seitentüren stand die Zahl 53, und der andere Film war “Der Mieter” von Roman Polanski, in den gingen wir, ich war kein Kind mehr, und wollte kein sprechendes Auto sehen, ich wollte ein Mann sein, Connys Mann, und den Film bestimmen, von Polanski und diesem Film hatte ich keine Ahnung. Ich muss den Inhalt des Films nicht nacherzählen, als wir aus dem Kino kamen, und ich Connys Hand wieder fassen wollte, um mit ihr weiterzugehen, ballte sie ihre zur Faust, ihre Knöchel waren weiß vor Wut, sie beschloss, nicht mehr mit mir gehen zu wollen, ich hatte sie ungeplant mit Angst und Schrecken initiiert, und mich von ihr gleichzeitig weg katapultiert wie eine Erbse zum Pluto. Ah, jetzt fällt mir der dritte, dort angebotete Film, wieder ein: “Die Nacht der reitenden Leichen”. Ein echtes Stahlbad der Belastung, aber wie wäre das ausgegangen, wenn die beiden, kleinen, zittrigen Besucher noch nicht mal wissen, was für Menschen sie sind, und werden könnten, wenn sie in den dritten Film gegangen wären?