lukas meschik
zum glück - dreizeiler

lukas meschik (aut) zum glück

beitrag von: ankehueper

zum glück

aufgabe: 3 - fensterblick. dreizeiler über den blick aus dem fenster.

angestrengt beobachte ich jeden tag durch die 
laublücken den nachbarn jetzt hat der schnee alles 
blickdicht gemacht

review von: Lukas Meschik

Der Titel liefert uns gleich eine Deutung des Folgenden, nämlich dass etwas „zum glück“ passiert, also ein Grund zur Freude. Das Gedicht ist ein gutes Beispiel für das sinnvolle Weglassen aller Satzzeichen, weil so die Sprache frei dahinfließen kann, zum abgebildeten Bewusstseinsstrom passt das hervorragend. Unsere Gedanken stolpern ja auch einfach drauflos, die Zäsur setzt beim Lesen unser Kopf. Dass die Beobachtung des Nachbarn nicht „aufmerksam“ oder „neugierig“ ist, sondern „angestrengt“, erzählt uns etwas über den Nachbarn. Wenn es sogar anstrengend ist, ihn zu beobachten, dann können wir uns den Rest dazudenken. Aber es gibt solche Leute. Oder hat es mit der Sehschwäche des Beobachters zu tun? Mir gefallen die „laublücken“ mit ungekünstelter Alliteration. Wenn wir ihnen aber nicht nur sprachlich, sondern inhaltlich auf den Zahn fühlen, wird es komplizierter. Laub bezeichnet abgefallene, abgeworfene Blätter. Das kann man sammeln und anhäufen, dass ein Laubhaufen entsteht, in dem es aber schwer eine Lücke geben kann. Vorgestellt habe ich mir zuerst Hecken, die als Sichtschutz dienen, eben nicht ganz blickdicht sind, nur erlaubt mir das „Laub“ das jetzt nicht mehr. Vielleicht sind es eher „blattlücken“, was natürlich nicht so gut klingt. Da handeln wir uns mit einer Lösung schon das nächste Problem ein. So ist das eben beim Dichten.