beitrag von: MarGru
Herkules im Premium-Gym
aufgabe: 4 - ein gegenüber. dreizeiler über einen fremden menschen
Körper, göttlich gestählt, aus Luxus, nicht Not Wollte er nur, könnte er längst die Säulen des Tempels einreißen
schule für dichtung
vienna poetry school
Körper, göttlich gestählt, aus Luxus, nicht Not Wollte er nur, könnte er längst die Säulen des Tempels einreißen
Ein schönes Aufeinandertreffen von antiker Mythologie und modernem Schönheitskult. Der Zusatz „Premium“ im Titel klingt ein bisschen sarkastisch, manchen reicht es ja nicht, ins normale Billig-Gym zu gehen, die Elite – oder wer sich dafür hält – zahlt gern ein bisschen mehr und bleibt unter sich. Dass unsere Körper selten wegen körperlicher Arbeit, sondern aus ästhetischen Gründen so „göttlich gestählt“ werden, formuliert eine unverhohlene Gesellschaftskritik und benennt ein Luxusproblem. Ich bin aber unsicher, ob es diesen Zusatz „aus Luxus, nicht Not“, wirklich braucht. Man denkt es sich beim Lesen ohnehin dazu, und es lenkt vom eigentlichen Bild ab, weil es eine allgemeine Aussage trifft. So bliebe das Gedicht ganz auf den fremden Herkules in seinem Körpertempel fokussiert.