lukas meschik
Hinter Glas - dreizeiler

lukas meschik (aut) Hinter Glas

beitrag von: louca

Hinter Glas

aufgabe: 3 - fensterblick. dreizeiler über den blick aus dem fenster.

Und wieder die Amsel. Auf dem steingrauen Dach.
Der Schnabel ist weit geöffnet.
Kein Laut dringt aus ihm.

review von: Lukas Meschik

Ein schön lakonisches Gedicht, das sich auf Vogelbeobachtung einlässt, die immer sehr ergiebig ist. Das „wieder“ erzählt uns eine Wiederholung, die Fortsetzung einer Geschichte. Der bestimmte Artikel „die“ macht deutlich, dass bereits eine Beziehung zur Amsel besteht, man kennt einander. Der Titel verstärkt die Lakonie. „Hinter Glas“, das klingt wie eine schmerzhafte Barriere zwischen Mensch und Tier, als würden wir eines im Zoo betrachten. Dabei ist hier ja umgekehrt der Mensch hinter Glas und das Tier in Freiheit. Dass die Amsel da hockt mit weit geöffnetem Schnabel, aus dem kein Laut dringt, verleiht ihr eine Zögerlichkeit, die man ihr gar nicht zugetraut hätte. Als würde sie innehalten und abwägen. Das Gedicht fängt da eine subtile Verbindung ein.