beitrag von: ankehueper
nach langer überlegung
aufgabe: 5 - ein gegenüber. dreizeiler über einen vertrauten menschen
wähle ich mich dabei bin ich mir keineswegs besonders bekannt oder vertraut eher zer-traut zerknautscht zerkaut
schule für dichtung
vienna poetry school
wähle ich mich dabei bin ich mir keineswegs besonders bekannt oder vertraut eher zer-traut zerknautscht zerkaut
Das Gedicht wagt sich auf eine Meta-Ebene. Es bezieht den Kontext seines Entstehens mit ein und antwortet direkt auf die gestellte Aufgabe. Erst „nach langer überlegung“, nämlich in Bezug auf den Gedichtauftrag, wählt das Ich sich selbst, also „wähle ich mich“. Dann gesteht es sich ein, dass es sich selbst „keineswegs besonders bekannt“ ist. Das ist keine Themenverfehlung, sondern ein kreativer Umgang mit einer Vorgabe. Die abschließende Spielerei geht nur mittelgut auf, es ist interessant, vertraut zu „zer-traut“ umzumodeln, nur heißt das für mich nichts. Vielleicht fällt Ihnen ein leicht abgewandelter Schluss ein, der sich nicht nur auf Wortspiele verlässt.