beitrag von: SusanneSommer
hautlos
aufgabe: 1 - innenschau. dreizeiler über empfindung, gefühlswelt.
ein Schritt auf mich zu kann dem Fremdsein in mir Trost neue Haut aufzieh’n
schule für dichtung
vienna poetry school
ein Schritt auf mich zu kann dem Fremdsein in mir Trost neue Haut aufzieh’n
Ich glaube, ich verstehe, was das Gedicht ausdrücken will, finde nur, dass es ein bisschen wackelt. Das „aufzieh’n“ am Ende bezieht sich nicht nur auf die Haut, sondern auch auf den Trost. „Trost aufziehen“ funktioniert für mich nicht. Beim Aufziehen will ich nicht überkritisch sein, aber passender wäre vielleicht, wenn man diese Haut „überzieht“. Wem oder was wird hier etwas aufgezogen oder übergezogen? Dem Fremdsein, genauer gesagt „dem Fremdsein in mir“. Aber was passiert denn mit diesem Fremdsein, wenn ich ihm eine neue Haut verpasse? Es verändert sich, verschwindet aber nicht. Tut mir leid, wenn ich das Gedicht so in seine Einzelteile zerlege, und an denen ist auch nichts falsch. Vielleicht könnte man sie einfach anders zusammensetzen? Fremdsein, Trost, neue Haut – das sind stimmige Bilder. Das Gedicht will vermitteln, dass es manchmal nur eine kleine Annäherung braucht, das einem Trost spendet und ein Gefühl des Fremdseins in sich selbst auflöst. Das gelingt ihm, in der Form eben nur recht ungelenk.