lukas meschik
Zeitrisse - dreizeiler

lukas meschik (aut) Zeitrisse

beitrag von: koelfio

Zeitrisse

aufgabe: 1 - innenschau. dreizeiler über empfindung, gefühlswelt.

Immer dazwischen, ein wollen und sollen,
Immer entweder, ein wollen oder wollen,
Immer zerissen, in endlicher Zeit

review von: Lukas Meschik

Obacht, mit bestimmten Artikeln brauchen wir ein großes „Wollen“ und „Sollen“, da passiert eine Substantivierung. Beim letzten Wort „Zeit“ verraten Sie uns, dass Sie nicht durchgehend Kleinschreibung verwenden. Aber bei den Zeilenanfängen entsteht ein schöner, stampfender Rhythmus. Immer dazwischen, immer entweder, immer entrissen – das haut mit der Faust auf den Tisch. Ein Detail, das uns nicht entgehen darf, versteckt sich in der zweiten Zeile: Ein „Wollen oder Wollen“. Das ist toll, weil es eigentlich paradox ist, aber damit ja genau diese Unentschiedenheit ausdrückt, um die es gehen soll. Ein Wollen ist nicht besser als das andere, deswegen kann man sich ja so schlecht entscheiden. Diese Stelle zeugt von einem Verständnis für vermeintliche Regelbrüche, die aber nur Brüche unseres alltäglichen Sprachgebrauchs sind. Da beginnt das Reich der Literatur.