beitrag von: SofieMorin
Hättest | Du bloß
aufgabe: 5 - ein gegenüber. dreizeiler über einen vertrauten menschen
Die innigsten Zwiesprachen mit mir hast du | bloß | nie künftig zur Welt gebracht
schule für dichtung
vienna poetry school
Die innigsten Zwiesprachen mit mir hast du | bloß | nie künftig zur Welt gebracht
Ich hätte nicht gedacht, dass es noch ein Zeichen gibt, das uns in unserem Werkzeugkasten fehlt, aber hier ist es: Der senkrechte Trennstrich. Ob der stärker oder schwächer – oder anders? – trennt als der Schrägstrich, kann ich nicht sagen. Wie ich nachlese, findet er sich vor allem in Programmiersprachen und gehört offiziell nicht zu den Interpunktionszeichen. Das soll uns aber nicht davon abhalten, ihn zu verwenden, im Gegenteil. Die entsprechende Tastenkombination vorausgesetzt. Jetzt aber zum Gedicht. Beim Titel bin ich skeptisch, ob der Trennstrich etwas Sinnvolles macht. Er soll uns ausbremsen und die Phrase auseinanderziehen, mir öffnet sich dabei leider keine neue Tür. Das Gedicht selbst macht viele Sprünge, bei denen ich nicht ganz mitkomme. Ein Du hat etwas „nie künftig zur Welt gebracht“, und zwar „Zwiesprachen“ mit einem Ich. Das ist sehr kompliziert, womit ich kein Problem habe. Schade finde ich nur, dass ich mir darunter wenig vorstellen kann.
Danke für die Erläuterung. Bei einem einzelnen Gedicht ist es wirklich oft schwer, das "Vokabular" zu verstehen, auch die Zeichen. Bei einer Sammlung oder einem Band lernt man das und versteht es dann besser.
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Jetzt hab ich das bloße Du in meinem nächsten Beitrag aufgenommen, um es zu verdeutlichen ;-) Danke für den Anlass dazu!
Ja, ich merks auch, die eigenwillige Interpunktion funktioniert in einem Text nicht so gut wie in einem Zyklus oder einem ganzen Lyrikband – wo ich mich dann halt je entscheide für | oder .:. oder :': und die Zeichen dann nicht so sehr vereinsamen, sondern sich in der Kontinuität ihres Gebrauchs erklären, aber sich auch nicht ungebührlich mischen. In einem einzelnen Text, das geb ich zu, kenn nur ich mich mit ihnen aus. Oft rahmen die Trennungen der Interpunktion bei mir etwas ein, das alternativ weggelassen oder mitgelesen werden kann. Das verursacht so ein Flimmern im Text, das ich mag.
Mit der Zwiesprache, falls ich die erklären kann, geht es hier um sowas wie Zeitlichkeit in einer Beziehung? Darum, dass Innigkeit und Zeit nicht immer zugleich miteinander wachsen und die intimsten Momente in Zwiesprachen nicht planbar sind. Wenigstens will ich das, glaub ich, glauben.