lukas meschik
gezeiten - dreizeiler

lukas meschik (aut) gezeiten

beitrag von: beatemayrk

gezeiten

aufgabe: 6 - naturbeschreibung in haiku-form. wertungsfreie beschreibung von natur.

ebbe tief im schuh
eisig steigt das wasser auf
salzig bis zur stirn

review von: Lukas Meschik

Wir zählen 5-7-5 Silben. Das Gedicht verwirrt mich ein bisschen. Eine Ebbe ist ja die Flaute, als Kontrast zur Flut bei den Gezeiten. Und „ebbe“ ist nicht als Metapher gemeint, weil sofort das Wasser auftritt. Ebbe ist also wenig, der Wasserstand ist noch niedrig, hier erscheint sie aber „tief“ im „schuh“. Ich verstehe es so, dass also bei Ebbe jemand erst nur mit den Schuhen im Wasser steht, das „tief“ nimmt dem Bild ein bisschen Klarheit. Jetzt steigt das Wasser, bis es uns über die Augen geht, nämlich „bis zur stirn“. Wir schauen zu, wie ein Mensch ertrinkt. Das hat für mich aber nichts mit wertungsfreier Naturbeschreibung zu tun.

kommentare

Beate Kniescheck
12.02.2026 17:55

Danke für das detaillierte Feedback, kann ich viel damit anfangen!

anke hüper
14.02.2026 04:49

Der eiserne Trochäus lässt den Vorgang unabwendbar erscheinen. Muss ein Mensch gemeint sein? Ich sehe einen Felsen vor mir, zum Beispiel wie in der Bretagne. Dann wäre nicht das Meer Metapher, sondern Schuh und Stirn wären bildhaft. Vielleicht ein Felsen, in dem man etwas wie einen Menschen erkennen kann? Das würde erklären, warum er auch Temperatur fühlen und Salz schmecken kann.
Ich lese aber auch emotionale Überflutung, Erstarrung, Ausweglosigkeit. Das Gedicht hat eine sehr starke Wirkung auf mich.

es können momentan keine kommentare verfasst werden.

kommentare können nur geschrieben werden:

  • wenn sie angemeldet sind,
  • sie bereits einen beitrag eingereicht haben,
  • der beitrag auf dieser seite eine review bekommen hat
  • und nur solange die klasse geöffnet ist (und kurze zeit danach).