beitrag von: beatemayrk
gezeiten
aufgabe: 6 - naturbeschreibung in haiku-form. wertungsfreie beschreibung von natur.
ebbe tief im schuh eisig steigt das wasser auf salzig bis zur stirn
schule für dichtung
vienna poetry school
ebbe tief im schuh eisig steigt das wasser auf salzig bis zur stirn
Wir zählen 5-7-5 Silben. Das Gedicht verwirrt mich ein bisschen. Eine Ebbe ist ja die Flaute, als Kontrast zur Flut bei den Gezeiten. Und „ebbe“ ist nicht als Metapher gemeint, weil sofort das Wasser auftritt. Ebbe ist also wenig, der Wasserstand ist noch niedrig, hier erscheint sie aber „tief“ im „schuh“. Ich verstehe es so, dass also bei Ebbe jemand erst nur mit den Schuhen im Wasser steht, das „tief“ nimmt dem Bild ein bisschen Klarheit. Jetzt steigt das Wasser, bis es uns über die Augen geht, nämlich „bis zur stirn“. Wir schauen zu, wie ein Mensch ertrinkt. Das hat für mich aber nichts mit wertungsfreier Naturbeschreibung zu tun.
Der eiserne Trochäus lässt den Vorgang unabwendbar erscheinen. Muss ein Mensch gemeint sein? Ich sehe einen Felsen vor mir, zum Beispiel wie in der Bretagne. Dann wäre nicht das Meer Metapher, sondern Schuh und Stirn wären bildhaft. Vielleicht ein Felsen, in dem man etwas wie einen Menschen erkennen kann? Das würde erklären, warum er auch Temperatur fühlen und Salz schmecken kann.
Ich lese aber auch emotionale Überflutung, Erstarrung, Ausweglosigkeit. Das Gedicht hat eine sehr starke Wirkung auf mich.
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Danke für das detaillierte Feedback, kann ich viel damit anfangen!