beitrag von: Bettina.K
Taubenfüße
aufgabe: 3 - fensterblick. dreizeiler über den blick aus dem fenster.
Mit halboffenen Augen höre ich Taubenfüße Die Noch Tage sind angebrochen Himmel lüftet die Seele der Stadt
schule für dichtung
vienna poetry school
Mit halboffenen Augen höre ich Taubenfüße Die Noch Tage sind angebrochen Himmel lüftet die Seele der Stadt
Schummeln wir da noch einen Bindestrich hinein, dass es „Noch-Tage“ werden. Ein spannender Ausdruck, bei dem viel mitschwingt. Zuerst hat mich gestört, dass bei diesem Blick aus dem Fenster auch etwas gehört wird, nämlich „Taubenfüße“, aber der Fokus liegt ja auf den „halboffenen Augen“, und amüsant finde ich, dass die mit dem Hören in Beziehung gesetzt werden. Erwähnenswert finde ich, dass der „Himmel“ keinen Artikel bekommt, weder einen bestimmten noch einen unbestimmten. Auch das Weglassen von etwas ist eine Entscheidung, die etwas präzise ausdrückt. Das folgende Bild geht für mich nicht ganz auf. Dass die Stadt eine „Seele“ hat, finde ich wunderbar, auch dass die gelüftet werden kann – nur inwiefern der Himmel dabei hilft, verstehe ich nicht, der ist ja irgendwie selbst die Luft. Ihre Entscheidung, aber vielleicht könnte man das ein bisschen umbauen. Die Seele und das Lüften würde ich aber unbedingt beibehalten, das funktioniert einwandfrei.