beitrag von: christina
wie fremd ist der fremde
aufgabe: 4 - ein gegenüber. dreizeiler über einen fremden menschen
ein fremder steht mir gegenüber wie soll ich das verstehen soll ich tun ? soll ich gehen ?
schule für dichtung
vienna poetry school
ein fremder steht mir gegenüber wie soll ich das verstehen soll ich tun ? soll ich gehen ?
Interessant sind an diesem Gedicht die Leerzeilen vor den Fragezeichen, die dadurch viel Raum bekommen und richtig summen vor Bedeutung. Ein bisschen schwer tue ich mir mit der dritten Zeile. Bei „soll ich tun“ ist der erste Impuls die Frage: Was denn? Und ich verstehe den Zusammenhang zum „gehen“ nicht. Was sehr schlüssig und rhythmisch wäre, Ihnen aber vielleicht zu konventionell ist: ein fremder steht mir gegenüber wie soll ich das verstehen soll ich bleiben ? soll ich gehen ? Ich weiß, die Gegenüberstellung von „bleiben“ und „gehen“ ist nicht extrem originell, aber in dem Gedicht passiert sowieso schon einiges. Gelungen finde ich, dass hier die bloße Anwesenheit eines Fremden gleich eine Frage an uns richtet, sofort eine Reaktion provoziert. Das sagt weniger etwas aus über Fremde als über unseren Umgang mit ihnen.
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Auch hier, vielen Dank, lieber Lukas Meschik. Und ja, mit dem Verb "tun" wollte ich ausdrücken, dass dieser Fremde uns mit uns selbst konfrontiert und mit der Frage, ob mich die Anwesenheit des Fremden verpflichtet. Die Zeilen sind mir bei einer Wanderung heute gekommen. Niemanden habe ich getroffen auf meinem Weg und ich dachte daran, wie es in den Bergen so ist, wenn man jemandem begegnet und sich gegenseitig ein freudiges "Hallo" zusagt, da die Einsamkeit in der Weite der Natur ergreifend ist. Und dann dachte ich natürlich auch an all die Fremden, die so ungewünscht für viele bleiben; und die Angst, die viele Menschen vor Fremden haben.
Ihr Vorschlag der Gegenüberstellung "bleiben" und "gehen" beruhigt den Text finde ich. Konventionen sind ja nicht immer schlecht. Danke dafür. Christina