beitrag von: Strangeologist
Mann
aufgabe: 4 - ein gegenüber. dreizeiler über einen fremden menschen
In der vollen Bahn liegt der Mann flach auf Gesicht. Alle schauen ob.
schule für dichtung
vienna poetry school
In der vollen Bahn liegt der Mann flach auf Gesicht. Alle schauen ob.
Wieder ein 5-7-5-Haiku, der die Hilflosigkeit inmitten der Anonymität der Großstadt unkitschig thematisiert. Dass der Mann „flach auf Gesicht“ liegt, und nicht „auf dem“ Gesicht ist Absicht, vielleicht der Silbenzahl geschuldet, vielleicht lenkt diese sprachliche Überdehnung aber vom Inhalt ab. Die zwei Punkte sind ein klares Bekenntnis zu Satzzeichen. Einen Widerspruch erkenne ich dann im Weglassen des Beistrichs am Ende. „Alle schauen, ob“ – ich glaube, da haben wir die Grammatik auf unserer Seite. Diese letzte Zeile, ob mit Beistrich oder ohne, ist ganz großes Kino. Weil sie bei uns sofort eine Erinnerung wachruft und uns zum Spekulieren bringt. Ob jemand betrunken, krank oder sogar tot ist, oder ob – perfekt komponiert, dass die Szene hier abbricht. Selten haben drei kleine Wörter so viel Geschichte erzählt.