lukas meschik
paradogma - dreizeiler

lukas meschik (aut) paradogma

beitrag von: maikatve

paradogma

aufgabe: 1 - innenschau. dreizeiler über empfindung, gefühlswelt.

die wurzeln fest im himmel
kopfüber hängend staune ich die verkehrte welt
knete aus der luft eine beliebige erde

review von: Lukas Meschik

Ein Gedicht, das so mit dem Raum und unserer Wahrnehmung spielt, dass einem schwindlig wird, aber auf schöne Weise. Schon der Titel hantiert mit Doppeldeutigkeiten: Zum „Paradigma“ kommt das „Dogma“, und „paradox“ ist es wahrscheinlich auch noch. Paradox ist jedenfalls, dass jemand „fest im himmel“ wurzelt, aber ich verstehe es sofort. Das kleine „über“ wird in der zweiten Zeile bewusst weggelassen, für mich verwandelt sich das „staune“ dadurch in ein Synonym von „erschaffe“. Die Welt wird zu unserer Wahrnehmung von ihr. Ich verwende gern die Formulierung „x denkt y“ statt „x denkt an y“, weil das eben feststellt, dass im Denkprozess etwas erst erschaffen wird. Am Ende verknotet sich alles etwas, das liegt am „aus der luft“. Es könnte und soll wahrscheinlich „aus der luft kommend“ heißen, ist also auf das „ich“ bezogen, man könnte es aber auch auf die „erde“ beziehen, also dass sie „aus der luft“ als Material geknetet wird. Wenn dieser Doppelsinn gewünscht war, dann lassen Sie es so, vielleicht ist das aber ein Dreh zu viel in diesem ansonsten schön verwirrenden Gedicht.