beitrag von: alterlaa
Perspektive
aufgabe: 4 - ein gegenüber. dreizeiler über einen fremden menschen
blick auf den asphalt suchst nach halbgerauchten tschicks vor der shopping mall
schule für dichtung
vienna poetry school
blick auf den asphalt suchst nach halbgerauchten tschicks vor der shopping mall
Direkt, simpel, trotzdem nicht banal. Hier könnte man viel Gefühl hineinlegen, was rasch zu Gefühlsduselei verkommt. Dass der Anblick traurig stimmt, merken wir ja selbst ohnehin, man braucht es uns nicht unter die Nase zu reiben. Die Betretenheit passiert im eigenen Kopf. Der derbe Ausdruck „Tschick“ färbt die Szene gleich ein, wir haben eine soziale Schicht, ein Milieu vor Augen – ohne dass es sich über irgendwen lustig macht. Als Mehrzahl von „Tschick“ war mir „Tschick“ geläufiger – habe aber gesehen, dass „Tschicks“ auch erlaubt ist. Wir bemerken die Du-Form, also die heimliche Anrede eines Fremden – die stumm bleibt und nur in Gedanken passiert. Schön ist der Mix aus Dialekt und Anglizismus auf engstem Raum. So verwenden wir heutzutage Sprache, es ist ganz normal, im selben Atemzug von einer „Tschick“ und der „Shopping Mall“ zu reden. Das fängt unseren Alltag ein.