lukas meschik
lebensraumtraum - dreizeiler

lukas meschik (aut) lebensraumtraum

beitrag von: fioly

lebensraumtraum

aufgabe: 2 - lebensraum. dreizeiler über ein bewohntes zimmer.

Wo sind meine Möbel hin?
Leere macht Angst, macht Platz
alles weiß, frei - offen

review von: Lukas Meschik

Als Freund des Schöngeistigen und Verklausulierten freu ich mich, dass es einmal ganz konkret und handfest wird. Im Österreichischen Fernsehen gab es ja mal die Vorabendserie „Lebensräume, Lebensträume“, wo schicke Immobilien gezeigt wurde. Das hier ist ein Albtraum, aber ein eher harmloser, der nachdenklich stimmt. Es hält ja in der Schwebe, ob es jetzt schön oder schrecklich ist, dass alle Möbel weg sind. Die Leere macht nicht nur „Angst“, sondern auch „Platz“, wie es treffend heißt, schafft also dringend benötigten Raum für Neues. Sprachlich habe ich nichts daran auszusetzen. Besonders herausstellen möchte ich den sinnvollen Einsatz des Gedankenstrichs. Wie schon anderswo erwähnt, haben wir all diese Sonderzeichen um Hierarchien zu schaffen, was uns ein Spiel mit Sinn-Ebenen ermöglicht. Durch die Nachstellung wird „offen“ klar betont, viel stärker als durch die Reihenfolge allein. Dem Verfasser oder der Verfasserin war diese Betonung wichtig, wir machen hier eine winzige Denkpause. So trifft man die Entscheidung, mit welchem Gefühl der Lesende entlassen werden soll. Aus diesem „offen“, das so als Insel für sich stehen darf, schöpft man Hoffnung. Viele streuen ja Gedankenstriche wahllos irgendwo ein, dabei sind sie ein sehr wichtiges, scharfes Instrument, das präzise eingesetzt werden kann. Dieses Gedicht führt uns das exemplarisch vor.