beitrag von: fioly
lisboa
aufgabe: 3 - fensterblick. dreizeiler über den blick aus dem fenster.
ich warte auf lusitanischem Stein du kommst, singst und gehst die Jugend will bleiben
schule für dichtung
vienna poetry school
ich warte auf lusitanischem Stein du kommst, singst und gehst die Jugend will bleiben
Zwar habe ich schon einmal von Lusitanien gehört (wahrscheinlich in „Asterix“), musste aber googeln, wo das genau liegt. Dabei hat Lisboa, also Lissabon, uns ja schon den Schauplatz verraten. Hier sehen wir Distinktionsmittel vorgeführt, einen bildungsbürgerlichen Ansatz, sein Weltwissen zu teilen. Ich will das nicht kritisieren, im Gegenteil, „lusitanisch“ ist eine so ungebräuchliche Beschreibung, die gleich eine Verortung erledigt und eine Geschichte erzählt. „du kommst, singst und gehst“ ist ein gelunger Remix des „ich kam, ich sah, ich siegte“. Diesem Gedicht gelingt der Spagat, dass es konkret genug wird, dass es uns etwas angeht, aber gleichzeitig ausreichend in der Schwebe bleibt, dass wir es auf schöne Art nicht verstehen. Die beschworene „Jugend“ könnte eine Person, eine Gruppe oder eine Metapher für Vergänglichkeit sein, dass sie „bleiben“ will erzeugt einen ergiebigen Kontrast zum „Du“, das geht. Wenn man solche Gedichte mitbringt, dann hat sich die Reise ausgezahlt.