beitrag von: JoernB
stillleben
aufgabe: 2 - lebensraum. dreizeiler über ein bewohntes zimmer.
stillleben unter dem strengen blick von mikrobiom, luftplankton und neutrinos ringe ich um die richtigen worte
schule für dichtung
vienna poetry school
stillleben unter dem strengen blick von mikrobiom, luftplankton und neutrinos ringe ich um die richtigen worte
Keineswegs selbstverständlich, seinem Dreizeiler einen Namen zu geben. Ich mag das ja, so lässt sich tricksen – so mancher vermeintliche Dreizeiler entpuppt sich dann als insgeheimer Vierzeiler. Die inhaltlichen und gedanklichen Abzweigungen empfinde ich als sehr rasant. Es ging ja um ein „bewohntes Zimmer“, einen „Lebensraum“. Das Mikrobiom kennen wir aus dem Darm – natürlich der Lebensraum von Mikroorganismen. „Luftplankton“ ist eine tolle Wortschöpfung, man sieht sofort die flirrenden, fast unsichtbaren Partikel. Mit „Neutrinos“ bleiben wir in sehr technischem Jargon. Alle drei haben einen „strengen Blick“ – wobei ich mich frage, ob sie in derselben Sphäre existieren. Das „Ringen“ um richtige Worte ist streng genommen eher Innenschau als Raumbeschreibung. Alles wie immer mit Vorbehalt – nur meine bescheidenen Gedanken dazu.
Danke für die Erläuterung, die sehr schlüssig ist!
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Danke für die Review!
„Luftplankton“ ist tatsächlich kein Kunstwort, sondern ein biologischer Fachbegriff. Ich war ziemlich aufgeregt, als ich ihn vor etwa einem Jahr zum ersten Mal gelesen habe.
Der Dreizeiler – ebenso wie rear window – ist aus der konkreten Schreibsituation heraus entstanden. Das Zimmer, in dem ich den Text geschrieben habe, ist ein Lebensraum: mit mir vom Mikrobiom „besiedelt“, das nicht nur im Darm, sondern auch auf der Haut, im Mund und in anderen Körperbereichen lebt. Zugleich bin ich „außen“ vom Luftplankton umgeben, und durch all das hindurch gehen unablässig Milliarden von Neutrinos – unsichtbar für mich, während ich um die richtigen Worte für diese Übung gerungen habe.
Ja, das „Ringen um die Worte“ ist wohl eher eine Innenschau. Aber nachdem ich die Ankündigung für die Schulung gelesen hatte, sind bei meinen Versuchen vielleicht mein Zeichenzimmer, das, was ich draußen sehe (Dächer und Schnee), und das, was ich tue (schreiben), etwas durcheinander geraten.