beitrag von: NinaB
Urgroßmutter
aufgabe: 2 - lebensraum. dreizeiler über ein bewohntes zimmer.
Die Schlafbank neben der Küchentür Vom Holzherd riecht es nach Weihrauch Irgendwie zögerlich tickt die Uhr
schule für dichtung
vienna poetry school
Die Schlafbank neben der Küchentür Vom Holzherd riecht es nach Weihrauch Irgendwie zögerlich tickt die Uhr
Ein sehr gelungenes, zwar rührendes, aber überhaupt nicht gezwungen rührseliges Gedicht. Da schwingt eine Melancholie mit, obwohl nirgendwo behauptet wird, dass dieser Lebensraum verlassen und verwaist ist. Als jemand, der niemals Großeltern hatte, sind Urgroßeltern unvorstellbar, und ich mache mir da sofort Sorgen, wie alt sie sind und wie es ihnen geht. Das Wort „Schlafbank“ lässt sofort eine vergangene Zeit und eine andere Generation erblühen. Für alle herausstreichen möchte ich den Einsatz von „irgendwie“. Jugendliche benutzen das ja gern als Füllwort, was einem unendlich auf die Nerven geht, aber hier hat es seinen Sinn und erfüllt einen Zweck. Ohne „irgendwie“ wäre die Zögerlichkeit der Uhr eine hingestellte Tatsache, das „irgendwie“ zeigt den Zweifel an, dass eine Uhr ja eigentlich nicht zögern kann, es einem aber so vorkommt. Das schafft eine tiefere Ebene und macht die Zeile reichhaltiger, es erdet auch alles, weil es umgangssprachlich wirkt. Auch die Entscheidung für den bestimmten Artikel „die“ erzählt eine Menge. Es ist nicht „eine“ Uhr, also irgendeine unbestimmte, sondern „die“ Uhr, die damit eine Hauptrolle im Zimmer bekommt. Was mitschwingt, sind Erinnerungen an in diesem Raum verbrachte Stunden. Der Lebensraum wird sprachlich konserviert, und da braucht es auch kein „Ich“, keine definierte Stimme. Ein würdiges Gedicht.
Danke! Ja, das irgendwie hatte ich draußen - aber es mußte wieder rein. Freu mich.
Danke! Ich freu mich!
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Danke für dieses schöne Gedicht.