beitrag von: Schnipsel2026
Schmerzwärts
aufgabe: 1 - innenschau. dreizeiler über empfindung, gefühlswelt.
Im Aufrechtdämmern Wandern Schmerzwellen herzwärts Ich fürchte die Nacht
schule für dichtung
vienna poetry school
Im Aufrechtdämmern Wandern Schmerzwellen herzwärts Ich fürchte die Nacht
Ein düsteres, intensives Gedicht. Ich stolpere über das „Aufrechtdämmern“, weil ich da nicht nur ein Aufwachen, sondern auch ein körperliches Aufrichten, also eine Bewegung herauslese, was sich für mich schlägt. Mein Kopf übersetzt das zu einem „Heraufdämmern, also der Sinne und des Bewusstseins. „Schmerzwellen“ sind ein sehr prägnanter Ausdruck, und ihr „Wandern“ erscheint wie das passendste Verb. Die lakonische dritte Zeile traut sich, etwas simpel und klar auszudrücken, wo man nichts beschönigen oder verklausulieren kann und will. Man muss wissen, wo Wortspiele und Erfindungen angebracht sind, und wo sie dem Geschriebenen nichts hinzufügen können, sondern ihm nur etwas wegnehmen würden. Wer dieses Gedicht laut liest, merkt, dass die Zischlaute der zweiten Zeile schön aufeinander folgen, einen guten Rhythmus haben. Hätte nie gedacht, dass in einem Gedicht die Wörter „Herz“ und „Schmerz“ vorkommen können, ohne dass es peinlich wird, aber hier ist es so.