beitrag von: Britta
Winterfest
aufgabe: 4 - ein gegenüber. dreizeiler über einen fremden menschen
Im Tagebuch steht: Küsse. In Wahrheit war es ein Schmusen mit Schlaglöchern und Champagner aus Kristall in einer Jugendstilküche.
schule für dichtung
vienna poetry school
Im Tagebuch steht: Küsse. In Wahrheit war es ein Schmusen mit Schlaglöchern und Champagner aus Kristall in einer Jugendstilküche.
Der Titel verortet gleich das Geschehen, sagt uns zwar keinen Ort, aber die Art der Szene. Das „Tagebuch“ verrät uns die Zeit, oder wenigstens, dass alles in der Vergangenheit spielt und wir einer hervorgekramten Erinnerung beiwohnen. Interessant ist, dass wir von einem „fremden“ Menschen erfahren, mit dem jemand aber „intim“ wird, wo sofort eine gewisse Melancholie mitschwingt. Was sich mir überhaupt nicht erschließt, sind die „Schlaglöcher“. Haben die etwas mit dem Vorgang des Küssens zu tun? Hat die Jugendstilküche Löcher im Boden, über die man stolpert? Was das angeht, verstehe ich nur Bahnhof. Wenn diese „Schlaglöcher“ metaphorisch gemeint sind, als Hindernisse, die es zu überwinden gilt, oder ein Element, das einen bei etwas ausbremst, ist das zu weit weg, um es nachvollziehen zu können. Nach mehrmaligem Lesen entdecke ich den Beinahe-Reim von „Küsse“ und „Küche“, mindestens ein Gleichklang, der einen netten Rahmen abgibt.
Die Schlaglöcher fallen dann wohl in die Kategorie "Kill your darlings", befürchte ich, da sie nicht so verstanden wurden wie von mir intendiert... Neuer Versuch:
Im Tagebuch steht: Küsse.
In Wahrheit war es unbeholfenes Schmusen
und Champagner aus Kristall in einer Jugendstilküche.
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Ein Tagebuch, in dem etwas anderes steht, als in der Erinnerung – das weckt bei mir Phantasien. Und ganz ungute Erinnerungen.