beitrag von: JuMa
kauf mir nichts ab
aufgabe: 1 - innenschau. dreizeiler über empfindung, gefühlswelt.
kauf mir nichts ab, nimm alles geschenkt auch wenn ich als Mensch nicht halten kann was ich als Heilige verspreche
schule für dichtung
vienna poetry school
kauf mir nichts ab, nimm alles geschenkt auch wenn ich als Mensch nicht halten kann was ich als Heilige verspreche
Ein Gedicht, das auf vielen Ebenen operiert. Wer jemandem etwas im sprichwörtlichen Sinn „abkauft“, der geht wem auf den Leim. Als Gegenpol dazu soll stattdessen alles „geschenkt“ genommen werden. Jetzt frage ich aber kritisch nach: Heißt das etwas? Und wenn ja, was heißt das eigentlich? Mir kommt vor, da folgt der Inhalt der Form, also man erfreut sich eine Spur zu sehr am Spiel mit der Sprache, verliert aber das Bild und die Aussage aus dem Blick. Der aufgemachte Gegensatz von „Mensch“ und „Heiliger“ funktioniert dafür bestens, finde ich. Das impliziert, dass wir eigene Ansprüche an uns haben, denen wir nicht entsprechen können. Die Warnung des Gegenübers vor einem selbst ist ein ergiebiges Motiv. Borgen wir uns ruhig vom Weltkärntner Handke das Wort „Selbstbezichtigung“.