lukas meschik
schwarzwald - dreizeiler

lukas meschik (aut) schwarzwald

beitrag von: Nebro

schwarzwald

aufgabe: 1 - innenschau. dreizeiler über empfindung, gefühlswelt.

stockfinster, ein forst
trau mich oft nicht mehr hinein
die bäume sprechen

review von: Lukas Meschik

Hier wird mit wenig viel erzählt. Der Titel suggeriert erst den „Schwarzwald“ als Landschaft in Deutschland, also eine Bezeichnung, aber es ist nur ein Spiel damit, weil es eigentlich um einen Wald geht, der dunkel ist, sogar „stockfinster“. So wird aus der Bezeichnung eine Beschreibung. Das „nicht mehr“ vermittelt eine Zeitlichkeit, hier gibt es also ein Vorher und ein Nachher, wobei die Zäsur ausgespart bleibt. Das Gedicht wird zur Gruselgeschichte, bei Stephen King würden die sprechenden Bäume Menschen in den Wahnsinn treiben und in Bestien verwandeln. Interessant ist die Entscheidung in der ersten Zeile, eine so ungewöhnliche Reihenfolge herzustellen. Erst ist es einfach „stockfinster“, und dann erst ist da „ein forst“. Andere hätten „ein stockfinsterer forst“ geschrieben, aber das wäre eindimensional. Durch die Reihenfolge bekommen die Wahrnehmungen eine Ordnung und damit eine andere Bedeutung, der Forst wird erst entdeckt bzw. bewusst wahrgenommen, nachdem man sich der Finsternis ausgesetzt hat. Oft entsteht so etwas ganz intuitiv, wäre ja auch seltsam, wenn beim Dichten jeder Schritt analytisch und vernunftbasiert geschieht. Aber für mich steckt da einiges drin, es transportiert viel poetische Information, wenn man so will.