beitrag von: heimwehbilder
ganzjahreswärme
aufgabe: 2 - lebensraum. dreizeiler über ein bewohntes zimmer.
du keuchst. die vernarbte tischplatte fängt deine tränen auf. die küche war schon immer so warm wie ein pelz.
schule für dichtung
vienna poetry school
du keuchst. die vernarbte tischplatte fängt deine tränen auf. die küche war schon immer so warm wie ein pelz.
Spannend, wie hier Sätze markiert und bewusst auseinandergerissen werden. Da erfüllen die Punkte einen Zweck, weil sie gemeinsam mit dem Zeilenumbruch einerseits einen Sinnzusammenhang herstellen und andererseits einen Rhythmus erzeugen können. Dass eine Tischplatte „vernarbt“ sein kann, erschließt sich mir sofort, ich sehe Kerben und Schrammen, vielleicht einen alten Holztisch. Allein das erzählt eine Dauer. Düster wird es vom Keuchen und den Tränen, die nicht erläutert werden müssen. Dass eine Küche „so warm wie ein pelz“ ist, adelt einen Ort zur Hülle, die uns schützend umfängt. So verleiht dieses Gedicht dem Raum eine Persönlichkeit. Gleichzeitig ist er Schauplatz zwischenmenschlicher Erschütterung.
Vielen Dank für die Rückmeldung, ich fühle mich sehr verstanden. Ich habe allerdings lange überlegt, ob ich den Begriff Pelz noch verwenden darf.
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Vielen Dank für die Rückmeldung, ich fühle mich sehr verstanden. Ich habe allerdings lange überlegt, ob ich den Begriff Pelz noch verwenden darf.