lukas meschik
gelber schnee - dreizeiler

lukas meschik (aut) gelber schnee

beitrag von: Nebro

gelber schnee

aufgabe: 6 - naturbeschreibung in haiku-form. wertungsfreie beschreibung von natur.

noch unbeschritten
frischer schnee – von leben zeugt
nur ein gelber fleck

review von: Lukas Meschik

Beim Titel hatte ich gleich eine böse Vorahnung – die sich sofort bewahrheitet hat. Da hat doch tatsächlich jemand – oder eher etwas – in den Schnee gepinkelt. Hoffentlich kein Mensch, sondern ein Tier. Ein waschechter Haiku, der eigentlich nicht wertet, und wenn, dann sehr subtil. Einerseits ist es schade, wenn so schöner, „unbeschrittener“ Schnee verunreinigt wird, andererseits handelt es sich ja um ein ganz natürliches Bedürfnis. Ich mag, dass hier ein poetisches Bild durch etwas Derbes, Banales gebrochen wird, ohne dass es eklig wird, auch die Sprache wird nie derb oder banal. Nüchtern wird eine Hinterlassenschaft beschrieben, nicht ein Vorgang.