beitrag von: Capa
Auf ein Portrait
aufgabe: 2 - lebensraum. dreizeiler über ein bewohntes zimmer.
Von einer schönen Hand in pinselstriche eingebannt. Ihr rätsel töne unvergänglich schöne Im Raum mir unbekannt von rahmenholz und leinenwand.
schule für dichtung
vienna poetry school
Von einer schönen Hand in pinselstriche eingebannt. Ihr rätsel töne unvergänglich schöne Im Raum mir unbekannt von rahmenholz und leinenwand.
Das Gedicht schöpft aus einem altmodischen Wortschatz, der deshalb aber nicht veraltet ist, sondern allem eine angenehme Schwere verleiht. Auffällig sind die Reime innerhalb der Zeilen, bei „Hand“ und „eingebannt“, bei „töne“ und „schöne“, bei „unbekannt“ und „leinenwand“. In der ersten Zeile stolpere ich über die Vorsilbe: Ein Anblick kann in etwas „gebannt“, also eingefangen werden, aber erhalten wir eine andere Bedeutung, wenn er „eingebannt“ wird? Ein wunderschönes Wort, das einem auf der Zunge zergeht, aber vielleicht steht es nur da, weil die zusätzliche Silbe für den Rhythmus wichtig ist, ohne sie entsteht eine Lücke. Ähnlich stolpere ich über die „leinenwand“ statt der gebräuchlichen „Leinwand“, das klingt wie aus einer alten Zeit, die es vielleicht niemals gab. Da sind wir schnell bei feinen „Linnen“. Erst nach mehrmaligem Lesen ist mir eingeschossen, dass es sich bei den „Tönen“ ja um „Farbtöne“ handelt, da bin ich kurz auf der Leitung gestanden. Wie gesagt lebt dieses Gedicht von seiner würdigen Behäbigkeit.
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Fühle mich sehr richtig verstanden. Und freue mich, daß es - trotz oder wegen der Gravitas - gefällt.