man hörte sie im sommer immer singen
sie übte am klavier mit fenster offen
wir hörten sie um spitzentöne ringen
und meistens mussten wir vergeblich hoffen
bei ihren leitern fehlte manche sprosse
und manche brach und ihr erklimmen
war wie der fluch diverser sysiphosse
wir wollten gerne ihre stimme stimmen
wir hörten viel vergangenheit und spuren
vielleicht einst perlender koloraturen
man hörte viel dann hörten wir auch schleim
ein husten prusten durch die nase pusten
und dann ein abgang irgendwelcher krusten
wir nannten sie die callas von neu rüsselsheim
review von: franz adrian wenzl
Ein heiteres Sonett, wieso nicht?! Mir gefällt besonders gut, dass ich die sommerliche Stimmung & das Setting sofort vor Augen habe. Und das Lästern bei offenem Fenster, das aber doch von wohlwollender Akzeptanz zu sein scheint.