hinter geneigten galeri
sprechen wir
das manifest:
wer muss
der geht aufs klo
oder in die kirche
um sich seinen glauben besteuern zu lassen
wer will
muss auch nicht müssen
aber kann mit ausgrenzung rechnen
weiße folter ist sehr dunkel
wer kann
muss für uns können
und nicht für die mehrheit
der kern verdrängt die
ganze frucht
wer hat
der hat unsere aufmerksamkeit
wir sitzen im trichter ganz unten
und saufen den honig
der von oben her wallt
wer darf
der darf nach unsren regeln
wir dürfen dürfen wie's uns passt
die wahrheit schmilzt
in unseren händen
und erstarrt in immer neuer form
wer ist
der ist weil
wir sind
folglich gehört er uns
und die, die
ohne uns geworden sind
holen wir
wenn sie am boden liegen
wer denkt
ist im grunde verdächtig
wer sagt was er denkt hat
vergessen
dass seine gedanken schon erdacht
und verschriftet sind
wer betet
betet mit foltergeräten
mit kreuz und spanischem bock
mit peitsche
und blut in den schuhen
wer aufhört
zu kuschen
und sich auflehnt
gegen uns
hat sein recht auf menschsein verwirkt
und wir
haben nichts zu befürchten
denn
das böse ferkelt immer ab.
review von: franz adrian wenzl
Doch recht polemisch, aber wieso auch nicht. Gut durchstrukturiert. Dem Satz "das böse ferkelt immer ab" würde ich mir jederzeit auf eine Kaffeetasse drucken!
Ach ja, was heißt denn das Wort "galeri" in der ersten Zeile?
kommentare
Georg Großmann
15.04.2026 07:13
Danke für die Rezension! Auch hierbei handelt es sich um einen Text, der im selben Zeitraum wie "Der Konzern" entstanden ist. Damals habe ich mich mit jugendlichem (Über)Eifer an politischen Gedichten versucht. Den Satz "Das Böse ferkelt immer ab" habe ich auch in ein paar anderen Gedichten verwendet. Quasi als eine Art morbides Bonmot und Synonym zu "das Böse schläft nie"... Es freut mich, dass er dir gefällt. Die Idee mit der Tassenaufschrift finde ich super! Da nimmt man schon in der Früh eine gesunde Portion Pessimismus zu sich.
Georg Großmann
15.04.2026 07:20
Achja: Galeri (Einzahl "Galero") sind diese roten flachen Kardinalshüte
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Auch hierbei handelt es sich um einen Text, der im selben Zeitraum wie "Der Konzern" entstanden ist. Damals habe ich mich mit jugendlichem (Über)Eifer an politischen Gedichten versucht.
Den Satz "Das Böse ferkelt immer ab" habe ich auch in ein paar anderen Gedichten verwendet. Quasi als eine Art morbides Bonmot und Synonym zu "das Böse schläft nie"... Es freut mich, dass er dir gefällt. Die Idee mit der Tassenaufschrift finde ich super! Da nimmt man schon in der Früh eine gesunde Portion Pessimismus zu sich.