franz adrian wenzl
Mann und Ast - so eine gemeinheit!

franz adrian wenzl (aut) Mann und Ast

beitrag von: Kunstwart

Mann und Ast

Sagte der Ast: Der sägt ja an dem Ast, auf dem er sitzt, der Mann!
Sagte der Mann, der an dem Ast sägte, auf dem er saß zu dem Ast:
Unsere Gesellschaft misst alles am Erfolg. Ein dichterisches Scheitern ist da nicht mehr vorgesehen.
Dabei ist Scheitern ein immanenter Faktor im künstlerischen Werkprozess!
Sagte der Ast: Die Dichtung ist keine Antwort auf die Probleme der Welt, sondern eine Frage an die Welt.
Sagte der Mann: Ein Dichter verdient diesen Namen nur, wenn er bereit ist Risiken einzugehen und Neuland zu betreten.
Brach der Ast. Fiel der Mann in den Fluss und ertrank. Am Ufer wuchsen Erlen und Buchen.
Schwamm der ertrunkene Mann ans Ufer, wrang seine Kleider aus und ging schnell fort.
Lag der Ast lange da und dachte bei sich:
Wie kann ein ertrunkener Mann ans Ufer schwimmen, seine Kleider trocknen und schnell fortgehen? Da lag er und dachte und dachte. Schließlich war es ein denkender Ast.
Bis heute ist er nicht draufgekommen.

review von: franz adrian wenzl

Da muss ich jetzt noch länger darüber nachdenken. Deine nicht geringe Leistung ist, dass ich das gerne tun werde. Die Mischung aus Hochtrabendem und Niederschwelligem ist gut gelungen. Das lädt ein, die etwas klischeehaft Kunstzuschreibungen noch mal neu und ernsthaft zu lesen. Ist außerdem ein schöner stilistischer Bruch. (Dachte der Ast und brach.)

kommentare

Thomas Glatz
16.04.2026 11:11

Vielen Dank für die Review.

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