In die grauen Gänge des Wiener Verkehrsamts
Musste ich mich begeben, weil ich den digitalen
Führerschein auf meinem Handy haben wollte.
“Sie haben eine Brille?”, frug mich eine hellsichtige
Dame und schickte mich weiter zum Amtsarzt, dessen
Sekretär mir ein Formular vor die Nase schob.
Vieles wollten sie von mir wissen, so auch, welche Medikamente
Ich einzunehmen pflege. “Psychopharmaka” schrieb ich
Teilnahmslos hin und gab den Wisch dem grauen Herrn.
Nach dem Eintreten sah ich den Amtsarzt. Ich, dem Landvermesser
K. gleich, erschrak ob seines aufgedunsenen Gesichts und der
Wasserunterlaufenen Fischaugen. Was ich denn schlucke,
War die Frage. “Was zur Schlafunterstützung”, war die Antwort,
Worauf er gelangweilt „SUIZIDAL?“ schräg über den Wisch schmierte.
Nun muss ich ein jährliches psychiatrisches Gutachten vorlegen.
review von: franz adrian wenzl
An diesem Text gefällt mir exemplarisch gut, wie Form und Inhalt zusammenpassen. Zumindest ist das meine Lesart, dass da ein Prosatext in ein Gedichtkorsett gedrückt wird, wie die Erzählerfigur in ihre Diagnose. Der trockene Ton (mit Einsprengseln zwischen Banalität und Mystik) erledigt wirkungsvoll den Rest.
Ob die Geschichte so passiert ist, trau ich mich nicht fragen. Man würde sie wohl nicht zu erfinden wagen.