Manchmal kommt eine Wespe oder ein ähnlich aufdringliches Kleintier einem so nah, kennt absolut keine Grenzen, schwirrt in kleinsten Kreisen um einen herum, hinter einem vorbei, über einen drüber, plötzlich weiß man nicht mehr, wo sie ist, man dreht sich um, man verfällt in Panik, was ist, wenn sie unter den Pullover gekrochen ist oder in den Haaren sitzt, dann Beruhigung, sie ist weg, aber Sekunden später hört man doch wieder das leise, bedrohliche Surren am Ohr. Sie hat anscheinend eine komplett unverständliche und brandgefährliche Obsession entwickelt – da hilft nur Mord oder losrennen.
review von: franz adrian wenzl
Eine schöne Beschreibung einer Alltagssituation, die jeder gut nachvollziehen kann & die auch sehr gut nachvollziehbar beschrieben ist. Was für mich nicht ganz klar ist, ist die Motivation des Textes. Da fehlt für mein Empfinden noch eine Wendung, eine Pointe oder auch eine Epiphanie im Sinne einer gleichnashaften Erkenntnis. Überhöht formuliert könnte das etwas sein wie: Ist nicht unsere menschliches Leben wie so eine Wespe? Oder, nachdem das Wort "Mord" schon gefallen ist: Wozu kann der Mensch getrieben werden durch die Gemeinheit seiner Mitkreaturen (ob Mensch oder Tier)? Sicherlich Geschmackssache, aber so eine Prise conditio humana könnte genau die richtige Würze sein...