Meine Täubchen
Tauben flattern.
Tauben schlagen mit den Flügeln.
Tauben gurren.
Tauben plustern sich auf.
Tauben picken im Mist auf der Straße.
Tauben picken in meinem Mist auf der Straße.
Meinen Mist.
Ich habe ihn weggeworfen und sie lesen ihn auf. Gleich wird es sein, als wäre er nie dagewesen. Zwischen jetzt und dem Nichts liegen fünf Tauben. Fünf gräuliche Tauben, mit vor- und rückgleitenden Köpfen, die im Gleichtakt picken. Ihre Schnäbel hacken auf den Leberkäse ein. Ein gefundenes Fressen. Die Tauben räumen meinen Mist auf, und ich verachte sie.
Tauben sind eklig.
Tauben sind Krankheitsüberträger.
Tauben kacken alles an.
Kacken.
Und jetzt verschlingen sie den Leberkäse.
Meinen Leberkäse.
Ich stampfe mit dem Fuß auf. Es ist wie ein Spiel. Die Tauben flattern auseinander. Doch bereits einen Moment später haben sie erkannt, dass keine Gefahr droht. Sie eilen zurück zum Leberkäse.
Fresst nur, meine Täubchen. Lasst euch bloß nicht stören.
Tauben sind gierig.
Sie fressen alles, was am Boden liegt. Und jetzt fressen sie meinen Leberkäse. Ahnungslos. Denn dass Rattengift im Leberkäse ist, das ahnen sie nicht. Ich aber weiß es. Und ich weiß, dass bald nicht nur der Leberkäse weg sein wird, sondern auch die Tauben.
Keine Tauben mehr, die flattern.
Die mit den Flügeln schlagen.
Die gurren.
Die kacken.
Auf meinen Anzug. Meinen Anzug. Der schick war. Und dann einfach nur lächerlich.
Bald sind sie weg.
Ohne Tauben wird dieser Platz endlich rein sein. Welch wohliger Gedanke. Ich entspanne mich bei dieser Vorstellung.
Da flattern die Tauben in die Höhe. Ein Hund hat sich frech zwischen sie gedrängt. Ein weißer Terrier mit einem schwarzen Fleck über dem linken Auge. Ein Schnapp – und der Leberkäse ist weg.
Mir stockt der Atem.
Eine junge Frau läuft auf den Hund zu, hebt ihn hoch, herzt ihn.
Ich muss etwas sagen. Ich muss-
„Lieb von Ihnen“, sagt sie plötzlich zu mir, nickt zu den Tauben. „Dass sie sich so kümmern.“
Ich räuspere mich. Die Tauben gurren. Der Hund hechelt. „Hören Sie ...“, sage ich schließlich, „der Leberkäse ...“
„Ja“, schnappt die Frau, „der is nix für die Tauben. Das macht die armen Tiere krank.“
Ich öffne den Mund. Schließe ihn wieder.
Ja, denke ich. Hoffentlich.
„Gut gemeint ist halt nicht immer gut“, fügt sie hinzu.
Stimmt, denke ich und winke freundlich, als sie mit dem Hund in den Bus steigt.
Weg ist er.
Die Tauben gurren.
Immer noch.