franz adrian wenzl
Dasselbe in Grün 1 - so eine gemeinheit!

franz adrian wenzl (aut) Dasselbe in Grün 1

beitrag von: DochdochMompi

Dasselbe in Grün 1

Selber Schuld, wer in so einer Welt an so etwas Naives wie Nachbarschaftlichkeit glaubt: 
Ich komme aus einem ziemlichen Gießregen in den Hausflur einer Freundin und steige die Treppen hinauf, mit der einsetzenden Frage, wo ich denn meinen monströs tropfenden Regenschirm wohl zum Trocknen abstellen könnte? da sehe ich auf einem Treppenabsatz in einer Ecke einen anderen Schirm stehen. Kurzer Prozess: ich stelle meinen, eine hübsche Spiegelung, in die Ecke gegenüber. Da stehen sie, wie Geschwister und blinzeln sich schwarz und begossen zu. 

Als ich zurück komme, sind sie beide wie von Zauberhand verschwunden. 

Wenn ich großzügig bin, werte ich den Diebstahl so, dass sich Jemand dieses romantischen Anblicks nicht erwehren konnte und direkt beide mitnehmen musste, um das zuhause nachzubauen. 
Ein Opfer der Symmetrie? 
Oder ich versuche mich zu trösten, indem ich denke, womöglich war da Jemand sehr verwirrt - im Haus sind viele Therapeuten tätig - unter manchem Tränenschleier lässt sich vielleicht mal eine Ecke verwechseln. 
Aber warum fehlte der andere Schirm dann auch? 
Jetzt denke ich: 
Arschloch.

review von: franz adrian wenzl

Kenn ich! Diese Art von Mysterium, wo es eigentlich um eine Lappalie geht, aber entweder jemand sehr gemein oder sehr dumm gewesen sein muss? Vielleicht hat auch eine schirmhassende Hausmeisterin beide Schirme in die Tonne geschmissen? Oder ein Kümmerer hat einen besseren Platz zum Trocknen gefunden? Oder ein Hund hat einen Schirm wegapportiert? Möglichkeiten über Möglichkeiten!

Das du (oder deine Erzählerfigur) am Schuß zum Fazit "Arschloch!" kommst, ist eine weitere faszinierende (und sehr glaubwürdige) Facette des Menschseins.