franz adrian wenzl
Dasselbe in Grün 2 - so eine gemeinheit!

franz adrian wenzl (aut) Dasselbe in Grün 2

beitrag von: DochdochMompi

Dasselbe in Grün 2

Und dann noch die Person die den Bus fährt. 
Ich komme 16:33 Uhr an, da steht der Bus schon da. Ich beeile mich, habe aber, laut Plan noch drei Minuten bis Abfahrt um 16:36 Uhr. Ich drücke den Knopf, aber nichts tut sich. Ich glaube es noch nicht so richtig und drücke nochmal. Nichts. Ich versuche im Rückspiegel irgendeine menschliche Regung wahrzunehmen da vorne. 
Die Ampel ist rot, der Bus steht noch eine Minute, in der ich akzeptieren lerne, dass er ohne mich, und sogar eine Minute eher abfahren wird. 
Als ich es dann Zuhause erzähle, wird mir gesagt: „Ich glaube, dass die Busse so eine zentrale Verriegelung haben, die viel Zeit in Anspruch nimmt. Wenn die einmal gedrückt wurde, dann lässt sich da nicht mehr viel machen.“ 
Wie kommt es dann aber, frage ich, dass ich schon manchmal beobachten durfte, wie diese hochkomplizierte Zentralverriegelung im ein oder anderen Fall entsperrt wurde, und ein dankbar verschwitzter Mensch doch in einen, eigentlich schon abfahrbereiten Bus, hechten konnte? Achselzucken. 
Wahrscheinlich war das ein anderes Verriegelungsmodell.


Um nicht blöd zu werden, darf man solche Geschichten einfach direkt wieder vergessen. Schließlich sind sie ja nur kleine Nadelstiche im gesellschaftlichen Gewebe. Nicht zu vergleichen mit den Löchern die von manchem Mensch in Amt und Würden gerissen werden. Bei den sozialen Kämpfen im In-und Ausland, bei Kriegen und Klimakatastrophe darf man nicht tagelang einem geklauten Regenschirm nachweinen oder Fantasien spinnen, in denen es dem Busfahrer künftig nie mehr gelingt, auch nur irgendeinen Reißverschluss an seiner Kleidung zu schließen.
Befriedigend zu wissen, dass das alles Pipifax ist und ich vielleicht nur eine neue Beißschiene brauche. Wenn ich höre, wie ein Minister zum Beispiel sagt, dass wir alle auf hohem Niveau jammern, dann fühle ich mich direkt angesprochen. Mir will ja auch sonst niemand bei meinen langweiligen Beschwerden zuhören. Immer nur das Opfer: wähwähwäh. 
So ein Spaziergang durch den Sommerregen hat doch auch etwas Erfrischendes. Und wer so etwas Komplexes bauen kann, wie Zentral-Verriegelungen, davor kann man schon Achtung haben. Wer das Große und Ganze im Auge behält, kapiert ja auch, dass es nicht so einfach ist, alles. Das brauche ich gar nicht so persönlich nehmen.

review von: franz adrian wenzl

Eine Lehrstunde des Sich-Arrangierens. Ich finde diese Diskrepanz aus Aufregen und dann aber auch schnell schauen, dass das schon alles so seine Richtigkeit hat, sehr reizvoll.