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sie hat gesagt, dass er gesagt hat, dass sie gesagt hätte ...

beitrag von: trivialpoet

short cut

Na, gehts zum Shoppen?

Ich bin auf der Flucht. 

Vor der Langeweile?

Nein, vor meinem Bruder, er hat gedroht, mich zu töten. 

Das ist nicht witzig. Wenn sie mit mir nicht reden möchten, sagen sie es doch einfach. 
Un gut is. 

Es ist kein Witz. Es ist die Wahrheit.

Sie nehmen mich auf den Arm. 
Sie können doch nicht einfach. 

Was?

Mir ... so was vor den Latz knallen. Wir kennen uns ja nicht einmal. 

Sie haben gefragt und ich habe geantwortet. 
 
Wenn das stimmen würde, dann müssten sie doch zur Polizei. 

War ich, die können nichts machen. 

Das kann ich nicht glauben.

Weil bisher nichts passiert ist. Nur verbale Ankündigungen.

Ohne Zeugen vermutlich.

Die ganze Familie weiß Bescheid und unterstützen es. 

Und jetzt?

Jetzt muss ich aussteigen. 
Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag. 

...

review von: ferdinand schmalz

Das Mikrodrama ist gerade auf diese eine Schlusspointe aufgebaut, dass es der Familie nichts ausmacht. Erstens Frage ich mich wie könnte der ganze Dialog noch etwas vielschichtiger werden, wie könnte man noch Nebenschauplätze aufmachen, die zwar mit dem Grundthema zutun haben. Und dann wie könnte man die Pointe nochmal besser setzen. Müsste die Familie nicht vielleicht den Bruder zu diesem Schritt sogar ermutigt haben. Man müsste vielleicht auch sicherstellen, dass es nicht wirkt als wäre es doch nur ein Scherz von dem jenigen, weil so liest es sich am Ende jetzt doch ein wenig. Was das Surreale der Situation anlangt und wie man es noch ausbauen kann, empfehle ich "das Gespenst der Freiheit" von Louis Buñuel.