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die einkehr als einkehr: resummee eines krisentagebuchs

am achten tage aber sollest du einkehren.
raphaela edelbauer

die einkehr als einkehr: resummee eines krisentagebuchs

meine leidenschaft in den letzten wochen – eine leidenschaft, die sich, wie ich glaube auch in den fünf videos dieses krisentagebuchs besonders zeigt – ist es, die grassierende sucht nach livestreams- und online-leseformaten bis in die blödsinnigkeit zu übersteigern.
die physische entkoppelung von der lesesituation über die parodie ins ernsthafte zu verschieben; versatzstücke des biedermeierlichen lebens im kleinen zu einer monströsen collage auftürmen – der ohnehin schon bizarren sucht nach dem körper des autors auf der bühne den goldenen schuss einer kaum erträglich intimität aus der eigenen badewanne entgegenzusetzen. oder: teaser für dinge drehen, die sich niemals realisieren werden.
das widersinnige ist ja nun das: aus ökonomischem zwang müssen wir schriftstellerinnen in sog. normalen zeiten lesungen bestreiten, performances abliefern. es sind dies allesamt formate, in denen zumeist einem alphabetisierten publikum texte vorgelesen werden, um des reizes willen, den es auszumachen scheint, die auratische präsenz der autorin im raum zu spüren. bar dieser “physischen repräsentation” der kunst – weil sie nun einmal momentan virologisch untersagt wurde – emaniert aus dem was übrig bleibt (nämlich gar nix) in unvergleichlich majestätischer weise die vollkommene leere. es ist eine übersteigerung der unsinnigkeit des literaturbetriebs und sein teleoglischer abschluss: dass von einem nicht anwesenden autor an ein publikum das derweil etwas anderes tut häufig honorarlos rein gar nichts verkauft wird. vollkommen dada, schon für sich genommen.

mein eigentlich letzter beitrag für den heutigen tag hätte das auf-die-spitze treiben der spirituellen entleerung sein sollen: einen exorzismus in der abwesenheit des zu exorzierenden, eine austreibung des weltengeistes an sich per video. gemeinsam mit meinem langjährigen künstler-compagnon simon goritschnig bauten wir vergangene woche einen riesigen altar und ein dreibein mit schafskopf, an dem in einem chymischen topf in einer reihe an mystischen ersatzhandlungen der coronavirus aus der welt exorziert wurde.
leider dauern aber im übrigen – das vergaß ich oben zu erwähnen – all diese onlinevarianten drei mal so lange wie reale lesungen, weswegen wir eine woche brauchen, um diesen irrsinn zu schneiden. die menschen, die den stream anschauen, haben darüber hinaus die möglichkeit ein exorzismus-zertifikat zu erwerben ("ch wurde vom coronagesit exorziert"), dessen erlöse für coronageschädigte künstler gespendet werden.

 

halten sie sich also den 14.5. sowie eur 10 für ihr exorzismus-zertifikat bereit und schalten sie ein. zum livestream geht es auf unserer facebook-seite facebook.com/edelbauergoritschnig