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advenire - vom Kommen und Gehen, Folge: 21

beitrag von: schreiberin
„Ja, nein, ich muss nach Linz…“, sagt Luise und reißt die Augen auf, als der Rollkoffer auf den Schienen Richtung Westen rollt. Und schon läuft sie hinterdrein. Der Hüne im Frack reißt sich die Gummimaske vom Gesicht und schleudert sie aufs Gleis. „Verdammt“, schreit er, und „ich krieg dich!“ Und damit meint er nicht Luise, auch nicht den rollenden Schrank, sondern den Koffer, der das Buch mit den besten Anmachsprüchen veröffentlicht hat. Als er in der Unterführung Richtung Parkplatz verschwindet, murmelt der Befrackte etwas von „Gewährleistung“ und „Geld zurück“ und „das Jura-Studium muss ja für etwas gut gewesen sein“. Der Gute verkennt, dass er im falschen Jahrhundert unterwegs ist. Im 21. tragen nicht einmal mehr die Juristen Frack zum graumelierten Haar. Und außerdem heißt es jetzt Jus und nicht Jura. Und mit den kinnlangen Koteletten, die unter der Maske verborgen waren, würde er auch jede andere Frau in die Flucht schlagen, sobald die Stunde der Entkleidung gekommen ist. Doch wohin jetzt? Josef kramt die Kurbel aus dem Kofferraum des Mercedes-Benz. Es erfordert erheblichen körperlichen Einsatz bis der Motor endlich anspringt. Josef schleudert die Kurbel auf die Rückbank, springt in den Wagen und fährt die Lieferbetonstraße entlang bis zum Rohrdorfer Transportbeton-Werk. Dort hält ihn der Fahrer eines der riesigen Betonmischer auf, die im Minutentakt das Werk verlassen.

review von: teresa präauer

liebe schreiberin, das ist, finde ich, deine/ihre große begabung: aus den dingen personen zu machen, die personen losfliegen zu lassen usw. ich könnte jetzt vielleicht schon allen schreibenden hier blind ihren nicknamen zuordnen. das ist auch was feines, im schreiben erkennbar zu sein irgendwie. lustig ist das mit dem koffer! schöne grüße an die füße, TP