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beitrag von: Dreamer

Die Zeit steht still

Meine Füße versinken und jeder Schritt wird beschwerlicher. Es stört mich nicht. Auch richte ich meine Augen nicht nach vorne, nicht ans vermeintliche Ziel meines Weges. Mein Kopf dreht sich nach links, meine Beine bleiben stehen. Meine Zehen werden feucht, meine Füße plötzlich nass. Auch mein Hund bleibt nicht verschont von dieser herzlichen und lebendigen Begrüßung. Immerhin von ihm gibt es ein bellendes Hallo. Wir lächeln beide. Ich muss mir die salzigen Haare aus dem Gesicht streichen, um die Linie am Horizont erkennen zu können. Nur eine Linie, sonst nichts. Die Grenze zwischen Erde und Himmel. Die Grenze zwischen den Elementen Wasser und Luft. Das Tor ins Unbekannte. Schon immer hat mich der Horizont am Meer unglaublich fasziniert, mir eine unbeschreibliche Ruhe geschenkt und meine Mundwinkel angehoben. Ich gehe weiter. Gehen am Meer ist wie meditieren, wie ein Spazieren zwischen einer Mutter und einem Urgroßvater, den man vielleicht zwar kennt, von dem man aber gerne viel mehr wüsste. Auch wenn ich mit Schnorchel und den Flossen nur einen winzigen Teil der Vergangenheit meines Urgroßvaters erkunden kann, gleite ich mit den kleinen Fischen durchs Wasser. Egal wann, egal wo. Ich kann immer gehen. Im Gehen vergesse ich die Zeit, auch den Fischen ist die Zeit egal. Sie schwimmen einfach. Gehen ist bewegen. Es zählt nicht die Zeit, sondern das, was man sieht und wie man es sieht. Es zählt das Erleben. Erleben gelingt mir besonders gut im Gehen. Immer weiter gehen. Egal wann, egal wo und egal wohin.

review von: peter rosei

ich verstehe die story - im letzten Satz kondensiert der sinn.
du solltest den text mit genau dieser lakonie durchkämmen, alles beiwerk rausschmeißen: also, du gehst am meer entlang (der hund? was soll der?) - was geht da mit dir, in dir vor?
schreib von innen heraus!
schule für dichtung sagt
09.10.2020 19:12
achtung: die max. zeichenzahl von 1000 wurde hier überschritten. bitte in zukunft beachten. merci!
s. aufgabenstellung unter http://sfd.at/gehen.
herzlich, das sfd-team