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bitte schenkt uns einen poetischen act!

um h.c. artmanns willen:
bitte schenkt uns einen poetischen act!
(wohl wissend, dass es sich hierbei nur um eine notdürftige annäherung handeln kann. oder aber um löbliche hochstapelei.)

bitte schenkt uns einen poetischen act!

liebe freundinnen und feinde der schule für dichtung,

um h.c. artmanns willen:

bitte schenkt uns einen poetischen act!

(wohl wissend, dass es sich hierbei nur um eine notdürftige annäherung handeln kann. oder aber um löbliche hochstapelei.)

 

am 12. juni 2021 täte, taterte, täterätätäää h.c. artmann seinen 100. geburtstag feiern – wenn der große dichter, sohn des schuhmachers johann artmann und seiner frau marie, geborene schneider, nicht schon vor fast 21 jahren von uns gegangen wäre. uns – der nachwelt – bleibt nur das flechten von kränzen und erinnern in rausch und würde. und uns – der schule für dichtung – bleibt auch noch das betteln ... how much schatzi?

h.c. artmann war der schule für dichtung seit deren anfängen als lehrender eng verbunden, auch wenn er sein klassenzimmer gern ins café hummel verlegte. oder überhaupt gleich in den virtuellen raum, denn der überzeugte pc-abstinenzler leitete kurioserweise (with more than a little help from his friends) eine der ersten onlineklassen der sfd. 1997, als pc noch für personal computer stand. dank dieser langjährigen verbundenheit h.c. artmanns mit der sfd wagen wir also unsere schnorr-aktion in memoriam:

bittebittebitte – schenkt uns eine annäherung an den poetischen act! eine annäherung, da dieser sich doch u.a. dadurch auszeichnet, dass er jede wiedergabe aus zweiter hand ablehnt, das heißt, jede vermittlung durch sprache, musik oder schrift. es kann sich daher nur um einen kompromiss handeln, bestenfalls um eine tuchfühlung.

schenkt uns ein foto, eine zeichnung, ein objekt. leiht uns eine geheimzahl, einen bislang unbekannten buchstaben, einen unterm bett vergessenen einzeiler. wir sind dankbar für beschreibungen poetischer acte, sofern diese nicht in eitle dichtkunst ausarten. wir freuen uns über erinnerungen, konserviert auf gerissenen tonbandcassetten oder gesammelt in alten schuhschachteln. beglückt und emsig streifen wir selbst ein sackerl schuppen oder ohrenschmalz in tüten ein, erscheint uns eine solche zuwendung doch ebenfalls als ein act des herzens und der heidnischen bescheidenheit. man sieht: der konnexion des poetischen actes sind keine grenzen gesetzt.

ihr fragt: was haben die mit den gesammelten simulakren des poetischen actes vor? wir antworten: eine unterirdische wanderausstellung zwischen wien-breitensee und wien-neubau vielleicht. ein schmuckes büchlein womöglich. eine poetische manifestation im 71er richtung zentralfriedhof? ein freudenfeuer in der lobau als potlatsch gar? oder eine exponentiell wuchernde seite im netz, übergehend bald vor poetischen artefakten und gespeist allein vom mehr oder minder gefühlte(n) wunsch, poetisch handeln zu wollen?

die wahrheit ist: wir wissen es noch nicht, weil es am ende von der menge der erschnorrten acte abhängen wird, ob wir damit eine mordsmäßige enzyklopädie füllen könnten oder nur ein mitleiderregendes flugblatt. darum bitten wir hiermit noch einmal und inbrünstigst: schenkt uns einen poetischen act! vielen dank im voraus.

um uns selbst in stimmung zu bringen, haben wir schon ein paar tuchfühlungen gewagt:

- ein einsames schwefelhölzchen ohne märchenhintergrund.

- telefongekritzel, in dem sich ein portrait von don quijote versteckt.

- das foto dreier schamhaare, hingeflätzt zur kreiszahl pi.

- kopfkino mit der bezaubernden mathematik-professorin, durchnummeriert bis zur

hundertsten primzahl.

- error 401 als schöne kunst betrachtet.

- ein holzwägelchen zum hin- und herführen von ganz kleinen sachen.

- eine versteckte akademie hinter dem vergessenen stadion.

- haydn-hooligans in einem erdbeerfeld: ratlos.

- siegfried kracauer, dem etwas “bahnhofhaftes” nachgesagt wurde.

- der waffennarr clemens setz und seine sammlung zerfetzter zielscheiben.

- ein kopf in flammen mit roger staub mütze obendrauf.

- ein tintenfleck, der dich an das anlitz deiner oma gemahnt (achtung rorschachtest).

- es klang, als spielte unsereiner mit der hand unter der achsel die schastrompete.

- ein erschöpfter parasit auf der suche nach einem wirt.

- ein fideler wirt, sehnlich der ankunft des parasiten harrend.

- vermutlich die pantomime einer herz-ass-karte.

- oder einfach marias enttäuschung nach der beiwohnung des heiligen geistes.

- keiner schenkt mehr eulen zu ostern.

- die allerletzte 360-grad-erektion um sich selbst.

- दुक्खा दुक्खा. dukkha dukkha. pain of pain. schmerz des schmerzes.

fritz ostermayer
für die schule für dichtung

 

kontakt

bitte sendet uns die poetischen acte bis 12. juni 2021 an: sfd@sfd.at
(und objekte bitte per post.)
zunächst ist eine veröffentlichung auf der sfd-homepage geplant.

 

>> h. c. artmann: acht-punkte-proklamation des poetischen actes (1953) (pdf download)

 

h. c. artmann (1921–2000) & sfd

>> https://sfd.at/lehren-und-lernen/faculty/h.c-artmann

>> https://archiv.sfd.at/artmann/index1.html