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poesie und animation

anna daisy blume (frei nach schwitters und disney).
klasse in wien
14. bis 18. oktober 2013


analog poesie und animation
/ martin arnold (aut)

martin arnold (aut)

klasse "poesie und animation: anna daisy blume (frei nach schwitters und disney)"

 

beschreibung

im rahmen der lehrveranstaltung sollen fragen im zusammenhang mit filmen, die mit vorgefundenem, bereits vorhandenem film-material arbeiten, gestellt werden. historisch wurde hier im dokumentarischen bereich zunächst einmal vom "kompilationsfilm" gesprochen, dann im kunstkontext der 60er jahre vom "collage-film", ein begriff, der später von "found-footage" abgelöst wurde. in der bildenden kunst spricht man gegenwärtig allgemein von "appropriation".

der schwerpunkt wird auf einer poetischen auseinandersetzung mit klassischen cartoons (mickey, tom und jerry) und deren filmischer dekonstruktion liegen.

die teilnehmerinnen sollen einen cartoon in seine zeichnerischen, musikalischen und sprachlichen bestandteile zerlegen.


voraussetzungen

interesse an filmischen techniken analoger und digitaler natur und ihrer nutzbarmachung für die literarische praxis.


termine

12 unterrichtseinheiten:

mo, 14.10., 17.00 – 20.00 uhr                      

di, 15. 10., 17.00 – 20.00 uhr

do, 17.10., 17.00 – 20.00 uhr

fr, 18.10., 17.00 – 20.00 uhr

ort: schule für dichtung, mariahilfer str. 88a /stiege III / 7, 1070 wien

begrenzte teilnehmerzahl!
teilnahmegebühr: 150,- €

14.11.: präsentation der klassenergebnisse im rahmen der veranstaltung "ein album für die ewigkeit"  im wiener rhiz: info >>


martin arnold

seit 1988 freischaffender filmemacher und künstler, zahlreiche gastprofessuren, u. a. 1996/97 am san francisco art institute, 1998/99 an der städelschule in frankfurt, 2000/01 am bard college in new york und 2008 bei calarts in los angeles.
vertreten bei einer reihe internationaler filmfestivals (z. b. cannes, rotterdam, new york), in cinematheken (u. a. centre georges pompidou, cinémathèque royale/brüssel, tate modern und national film theatre/london, moma/new york) und in ausstellungshäusern (wie dem barbican art center in london, dem witte de with in rotterdam, bozar in brüssel, kunsthaus zürich oder dem hamburger kunstverein).
http://en.wikipedia.org/wiki/Martin_Arnold

 

von martin arnold als einleitung:

"rindertalg träufelt streicheln über meinen rücken. anna blume, du tropfes tier, ich - - - - - - - liebe - - - - - - - dir!“. damit schließt kurt schwitters sein sicherlich bekanntestes gedicht.
wären diese sätze zeitgleich in einem filmischen exposé gestanden, dann wären wir hier eindeutig beim cartoon. ein tropfes tier namens anna in real-life-action darzustellen hätte bereits damals jedem regisseur den job gekostet.
das um 1919 poetisch ausgedachte rindertalg-tröpfeln wurde deshalb – wahrscheinlich aus verschiedensten gründen – erst im wiener aktionismus der 1960er jahre - in das lebendige leben eingebracht.

aber dazwischen? da sind all die klassischen hollywood-cartoons der tropfenden tiere wie mickey und daisy oder tom und jerry angesiedelt. da findet man alles, was von schwitters ausgedacht, den major studios in hollywood verfeinert und dann im wiener aktionismus verpanscht wurde.

cartoons und poesie sind in ihrem formenrepertoire begrenzt und müssen daher inhaltlich gleichzeitig übertreiben: in einem gewissen sinne ist hier mehr an absurdität und exzentrischer kinetik möglich als im spielfilm oder roman. es wäre geschmacklos, wenn sich schauspieler in cinemascope gegenseitig an den zungen ziehen, einander die augen auskratzen oder sich immer wieder mit einem hammer auf den kopf schlagen.
in den cartoons oder der poesie stört das aber nicht, weil trotz massiver körperdistorsionen und einem beachtlichen sprach-verwüstungspotential immer mit einem schmerzlosen ende gerechnet werden kann.

die klassischen cartoons schaffen es, das unheimliche anheimelnd zu machen und dem unmöglichen, im sinne disneys, eine plausibilität zu verleihen. aber was, wenn sich die eingestürzten häuser nicht wieder von selbst aufbauen und die eingedrückten augäpfel nicht wieder aus den augenhöhlen hervortreten, sondern im dunklen verschwinden? ein isoliertes ohr in der dunkelheit? eine hand, die ins leere greift?

martin arnold
© martin arnold