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CROSS THE ORDER

über geografien im kopf und orte im nirgendwo.
festival: lectures | lesungen | performances | musik  | ausstellung   eintritt frei
2. nov. 2017, 19.00 uhr: vernissage "imaginäre geografien", ort: sfd
3. + 4. nov. 2017, jeweils 18.00 uhr: literaturhaus, zieglerg. 26a, 1070 wien
eine kooperation von schule für dichtung und literaturhaus wien


veranstaltung CROSS THE ORDER

CROSS THE ORDER

über geografien im kopf und orte im nirgendwo

 

festival

lectures | lesungen | performances | musik  | ausstellung

 

(c) patrick pilsl alias martin dean

 

“meine imaginären länder: für mich bilden sie eine art puffer-
staaten, damit ich nicht an der realität leide.”

henri michaux

 

jeder winkel ist erforscht, jeder fleck kartografiert. google, gps und andere intelligent services haben ganze arbeit geleistet bei der vermessung der welt und auskundschaftung ihrer letzten verstecke. es scheint hoch an der zeit, “eskapismus” neu zu delirieren: als flucht nach vorn – als eroberung von orten, die sich auf keiner landkarte finden lassen, weil sie nur in den köpfen von dichterinnen, spinnern, kryptogeografinnen und anderen wissenschaftspoeten existieren.

es braucht neue karten und texte: antikarten/gegentexte, mit deren hilfe wir den globalen, unterschiedslosen nicht-orten entkommen können und die uns zum aufbruch anspornen. wohin? am besten in die selbstgewählte ortslosigkeit “temporärer autonomer zonen”. denn unser neu delirierter eskapismus muss ein aktivistischer sein, muss ein neugieriges erkunden von “unknown spaces” sein, deren eigenzeit und eigenörtlichkeit wir noch nicht kennen, weil sie vielleicht noch gar nicht existieren bzw. nur in den köpfen ihrer baldigen “entdecker”.  

also lasst uns auf die suche nach der realität im imaginären (und umgekehrt) machen und dabei zielstrebig durch noch zu findende “hidden geographies” irren. gerne verwischen wir dabei die grenzen zwischen wahrheit und illusion, wenn es der wiederverzauberung bekannter topografien dient. eines aber ist sicher: “wohin man nicht geht, dort gibt es überhaupt keine landschaft” (raphaela edelbauer).

diese wunderbaren landvermesser und weltenbauerinnen machen sich ans entdecker- und schöpferwerk:

alastair bonnett (gbr), philip dröge (ned), raphaela edelbauer (aut), patrick pilsl alias martin dean (ger/aut), ursula timea rossel (sui), judith schalansky (ger), andreas spechtl (ger/aut), johannes ullmaier (ger) und die klasse der idioten von jörg lukas matthaei (ger) und judith nika pfeifer (aut).

werde idiot: fuck the polis!

fritz ostermayer
(künstlerischer leiter der schule für dichtung und kurator von cross the order)

 

zwei festivalabende am fr, 3.11. und am sa, 4.11.2017, jeweils 18 uhr; eintritt frei
ort:
literaturhaus, zieglergasse 26a, 1070 wien

 

prequel:

do, 2. november 2017, 19 uhr

ort: schule für dichtung, mariahilfer straße 88a/stiege III/1070 wien

vernissage der ausstellung "imaginäre geografien" von patrick pilsl alias martin dean (bildender künstler und musiker)
ausstellung von 3.11.2017  bis 28.2.2018
info >> http://sfd.at/ausstellung

 

fr, 3. november 2017, 18 uhr

ort: literaturhaus, zieglergasse 26a, 1070 wien

johannes ullmaier (mainz) – lecture
der nun schon traditionelle theorie-smash-hit-opener! diesmal gibt der literaturwissenschaftler unseres vertrauens eine kurze geschichte ”imaginärer geografien” und den sich dahinter verbergenden “symbolischen räumen”: vom himmel (utopia?) bis zur hölle (dystopia?) und was sonst noch dazwischen liegt an archetypischen entwürfen und gegenentwürfen (schlaraffenland?).

judith schalansky (berlin) – lesung
2009 im mare-verlag erschienen, gilt judith schalanskys atlas der abgelegenen inseln heute bereits als klassiker fiktionaler reise- und entdeckerliteratur, dessen untertitel geradezu einem offenbarungseid gleichkommt: fünfzig inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde. großes kopfkino also. und sinnlich wie nur was – meint die autorin und genialische buchgestalterin doch selbst: “landkarten müsste man eigentlich zu den erd-erotika zählen und den 3-d-globus zur pornografie”. wie wahr!      

alastair bonnett (newcastle) – lecture und lesung
alastair bonnett lehrt an der university of newcastle sozialgeografie und forscht zu themen wie “the idea of the west” oder “the geographical theories of the european avant-garde”. einem größeren publikum bekannt wurde er durch sein ebenso skurriles wie lehrreiches buch die seltsamsten orte der welt – geheime städte, verlorene räume, wilde plätze, vergessene inseln, dessen lektüre selbst den größten stubenhocker zur topophilie verführt. seine seltsamen orte denkt sich der autor als “rebellenstützpunkte der imagination”. wie schön!

andreas spechtl (berlin) – lesungsperformance mit musik
flucht nach vorn im politischen liedgut: “ich wünsch mich dahin zurück, wo's nach vorne geht” – mit dieser zeile beginnt libertatia, das bislang letzte album der band ja, panik von 2014. danach widmete sich die musikerinnen einer art psychogeografischen aufarbeitung ihrer bandgeschichte als irrlichternde autobiografie: futur II. in seiner performance wird sich ja, panik-frontmann andreas spechtl zwischen der piraten-utopie libertatia und der “vollendeten zukunft” von futur II seinen eigenen reim auf reale und fiktionale ortlosigkeiten machen - lesend, singend, (tanzend gar?). wie geil!

 


johannes ullmaier, judith schalansky, alastair bonnett, andreas spechtl
(c) andy urban, susanne schleyer/suhrkamp verlag, privat, rabea erradi

 

sa, 4. november 2017, 18 uhr

ort: literaturhaus, zieglergasse 26a, 1070 wien

raphaela edelbauer (wien) – lesung
entdecker – eine poetik, das debut der jungen wiener dichterin, ist nichts weniger als eine literarische sensation, ein wort- und weltschöpfwerk auf augenhöhe mit den größten der pataphysischen zunft: raymond roussel, raymond quenau, george perec. für unser festival wahrlich von bedeutung: neben wissenschaftlichen disziplinen wie theoretische physik oder anatomie wird auch die kartografie einer wahnwitzigen poetischen zerreißprobe unterzogen. am ende sieht man vor lauter karten gar kein land mehr: eine geniale überforderung. wie irre!

ursula timea rossel (waadtland/schweiz) – lesungsperformance
ein ordentliches vermessungs-festival braucht auch eine “kryptogeografin”. nie gehört? die schweizer dichterin ursula timea rossel ist so eine. die von ihr 2006 gegründete “kryptogeografische gesellschaft” beschäftigt sich mit verborgenen und geheimen dingen auf und in der erde und um die erde herum: der kryptogeograf weiß sich nicht zu helfen und schwitzt wie ein tier, blutet aus vielen wunden, tränen brechen ihm aus allen löchern ... er türmt immer originellere errata auf, tritt in die noch unerforschten fettnäpfchen und erklärt in immer neuen girlanden, was er selber eigentlich auch nicht versteht, aber umso stürmischer liebt. motto dieser merkwürdigen gesellschaft: das gute liegt nie nah! es ist vielmehr sehrweither geholt. wie abgespaced!

philip dröge (amsterdam) – lecture und lesung
niemandsland – die unglaubliche geschichte von moresnet, einem ort, den es eigentlich gar nicht geben durfte, so heißt das buch des niederländische autors und wissenschaftsjournalisten philip dröge über das unbekannteste und unfassbarste (nicht-)staatengebilde europas, das länger als die sowjetunion existierte und trotzdem kein schwein kennt: neutral-morsenet (1816 – 1919), 3,4 km² groß und bekannt auch als der “wilde westen mitteleuropas”. spannender und unterhaltsamer kann geschichte- und geografie-unterricht nicht sein. wie mirakulös!

die klasse der idioten (berlin/wien) – intervention etc.
die sfd-klasse der idioten unter der leitung von jörg lukas matthaei und judith nika pfeifer präsentiert die (poetischen?) resultate ihres psychogeografischen herumstreunens durch prekäre wiener un- und nicht-orte: dem rapid-ultras-sektor im allianz-stadion? dem opus dei-hauptquartier in der kirche st. peter? in ulrich seidls hundstage-peripherie? in hinterhofmoscheen in favoriten? in swingerclubs in grinzing? und: könnte der „friedhof der namenlosen“ am alberner hafen für eine moribunde nekro-geografie nicht auch von interesse sein? wie herrlich deppert!
info & anmeldung zur klasse  >> http://sfd.at/idioten

 

raphaela edelbauer, ursula timea rossel, philip dröge, jörg lukas matthaei, judtih nika pfeifer
(c) victoria herbig, adrian moser, anne van gelder, privat, merlin nadj-torma

 

 

 

 

eine kooperation von schule für dichtung und literaturhaus wien

 

                

 

 

 

 

 

 

 

 

rückblick 2016 >> http://sfd.at/festival2016