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ungebetene gäste

ein gespenster-festival über das abwesend anwesende in und um uns
filme | lectures | lesungen | performances | musik
ein gespenster-kinoabend am 15. oktober plus zwei festivalabende am 16. und 17. oktober 2020
eine kooperation von schule für dichtung und schauspielhaus wien, zusammenarbeit mit dem slash film festival


veranstaltung ungebetene gäste
/ festival

ungebetene gäste

ein gespenster-festival über das abwesend anwesende in und um uns

lectures | lesungen | performances | musik | filme

do, 15. oktober: filme (kino und beginnzeit werden noch genannt)

fr, 16. und sa, 17. oktober 2020, beginn jeweils 20.00 uhr
ort: schauspielhaus, porzellangasse 19, 1090 wien

etwas zeigt sich in seiner abwesenheit. etwas ragt aus der vergangenheit in unser leben. oder – wer weiß schon – aus dem jenseits. dieses nicht greifbare etwas ist uns zwar “unheimlich”, ob seiner allgegenwart in märchen, schauerromanen, horrorfilmen und tv-serien allerdings auch sehr vertraut, ja gerade “heimlich”. es: das gespenst, der geist, der spuk, die erscheinung, das phantom, wesen und unwesen.

früh schon haben gespenster die ihnen zugeschriebenen literarischen reviere – moore, gräber, schlösser und andere “haunted houses” – verlassen und sich auch in die gedankengebäude von philosophie und psychoanalyse eingenistet. und dies mit einer strahlkraft, dass sie in den kulturwissenschaften längst auch als metaphern, chiffren und diskursfiguren für gar vieles herumgeistern: von der bereits von karl marx beschriebenen ökonomie des scheins als gespenstische scheinökonomie heutiger finanzkapitalströme über jacques derridas plädoyer “lernen, mit den gespenstern zu leben” bis herauf zur “hauntology” des kulturwissenschaftlers mark fisher, laut der die “abschaffung der zukunft” massenhaft gespenstische wiedergänger vergangener epochen gebiert.  

neben aller theoretischen aufgeladenheit sind gespenster – als schwellenphänomene zwischen dies- und jenseits, sichtbarkeit und unsichtbarkeit, faszination und furcht – nach wie vor freilich auch spielfläche unserer imagination; ganz egal, ob es sich dabei um die guten alten geister handelt, die uns “nur” schreckten, weil wir weder ihre botschaften noch ihre seltsamen aggregatszustände zu deuten wussten oder ob es um die neuen gespenster geht, deren abwesende anwesenheit uns in den omnipräsenten trugbildern unserer medienwirklichkeit ebenso zusetzt wie in den phantomhaften inszenierungen unserer ichs in den sozialen netzen. waren die alten geister um uns noch spooky, so sind die neuen in uns nur noch creepy.

als zeitgenössisches literaturfestival wollen wir diese historische vielfalt kutureller gespenster-produktion auf deren resonanzen in heutiger text- und musikproduktion abhorchen. denn so viele zweifel gespenster mit ihrem erscheinen auch wecken, so wenig zweifel besteht doch darüber, dass gespenster wieder konjunktur haben. man muss nur an sie glauben.

ps: die liste unserer literarischen ghostbusters und musikalischen hauntologInnen wächst wie von geisterhand.

 

kuratiert von fritz ostermayer (künsterischer leiter der sfd)

 

 

15.10. (kino)

markus keuschnigg (leiter des slashfilmfestivals) – lecture: “weiße leintücher, graue nebel, schwarzen seelen – geistererscheinungen in der geschichte des grusel-kinos”

susann maria hempel (filmkünstlerin, berlin) – 4 kurzfilme (“sieben mal am tag beklagen wir unser los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen”; “der große gammel”; “wie ist die welt so stille”; “die fliegen (the birds II)”

 

16.10. (20h, schauspielhaus)

johannes ullmaier (literaturwissenschaftler, mainz) – einführungsreferat

barbi marković – (autorin, wien) – exklusiver auftragstext

voodoo jürgens und seine friedhofsklasse (featuring the ghost of h.c. artmann)

hendrik otremba (autor und musiker, berlin) – romanlesung: “kachelbads erbe”

makunouchi bento & silent strike (elektronische bela bartok-hauntologen, temeswar)

 

17.10. (20h, schauspielhaus)

roger clarke (autor und geisterforscher, london) – “a natural history of ghosts: 500 years of hunting for proof)” – gespräch plus lesung                  

barbara zeman (autorin, wien) – exklusiver auftragstext plus kurze samples aus sfd& gespenster-publikation

daniel kehlmann (autor, new york) – lecture? lesung? gespräch? mix aus allem?

ela orleans (musikerin und ghostpoet, glasgow)

 

weitere details folgen.

 

TIPP
ausschreibung 2020 (frist: 15.7.!):
sfd& gespenster
zeitschrift der schule für dichtung wien #02 >> sfd.at/gespenster
texte à max. 3000 zeichen zum thema werden gesucht.
das heft erscheint zum gespenster-festival!

 

(c) giovanna bolliger